Dr. Geeta S. Iyengar (7.12.1944 – 16.12.2018)

 

Im Licht ihres Vaters, nicht im Schatten!

 

Dr. Geeta S. Iyengar, älteste Tochter vom Yogameister B.K.S. Iyengar und ranghöchste Lehrerin in der Iyengar-Yoga-Gemeinschaft, ist am Sonntag, den 16.12.2018, in den frühen Morgenstunden gestorben. Sie hatte kurz vorher am 7. Dezember ihr 74. Lebensjahr vollendet.

Schwester für ihre fünf Geschwister, aber Muttersymbol für die ganze Gemeinschaft der Yogaübenden in 59 Ländern rund um den Globus, verkörperte Geetaji mit ihrem schlicht gehaltenen Leben die Prinzipien einer Yogini. Sie wählte das Zölibat (brahmacharya) und widmete ihr Leben yogischem Streben.

Als Leiterin des Ramamani Iyengar Memorial Yoga Institute (RIMYI) in Pune, Indien, zusammen mit ihrem Vater B.K.S. Iyengar und ihrem Bruder Prashant, war sie maßgeblich daran beteiligt, Generationen von Yogasuchenden zu unterrichten und zu formen. Letztes Jahr ging der Preis des Premierministers für das beste indische Yogainstitut ans RIMYI. Dieser würdigte auch Geeta Iyengars sechs Jahrzehnte andauernden Einsatz, Yoga zu unterrichten und Generationen von Yogalehrern zu betreuen. Das mögliche Ziel, das Iyengar-Yoga-Zertifikat, ist der Goldstandard in diesem Gebiet geworden.

Das älteste Kind von Ramamani und Yogaguru B.K.S. Iyengar wurde in der Nähe von Bangalore geboren, ging aber in Pune zur Schule, wo ihr Vater sich als Yogalehrer niedergelassen hatte.

Schon in frühen Jahren begann sie begeistert, Yoga zu üben. Starke Nierenprobleme, verursacht durch eine Nierenentzündung im Alter von 9 Jahren, waren der Anlass, ihre intensive und erfolgreiche Praxis zu steigern. Jahrzehnte später, als sie gefragt wurde, ob sie sich im Schatten ihres Vaters fühle, antwortete sie geistreich: „Ich sehe es als Glück an, in meines Vaters Licht zu leben, nicht in seinem Schatten.“

2012 unterrichtete Geetaji eine Riesenklasse in Portland, USA, und setzte damit den Maßstab für die Übereinstimmung von Yoga, Medizin und Ayurveda. Auf dieser Convention schaffte sie die Richtlinien dafür, wie verschiedenste Krankheiten durch die Kunst verfeinerter Beobachtung und Anpassung der Yogasanas zu behandeln und zu lindern sind. Sie betonte immer wieder die transformative Kraft von Yogasanas, und das dies durch die Ausrichtung (Alignment) des äußeren, inneren und innerlichsten Körpers (sthula, sukshma und karana shariras) mit der äußeren, inneren und allerinnerlichsten Schulung (bahiranga, antaranga und antaratma sadhana) geschehe.

Wenn Leute über Alignment reden, beziehen sie sich nur auf äußerliche Referenzpunkte wie Arme und Beine oder Muskeln und Gelenke. Aber es gab eine Person, die uns zeigte, wie man ein Leben ausrichtet an den Lehren eines Guru, am Wissen einer Kunst, für die Verantwortung einer Übenden (sadhaka), einer Lehrerin und einer Säule der Yogagemeinschaft. Obwohl eine eigenständige Lehrerin, blieb sie bis zum Ende immer Schülerin (shisya) ihres Vaters und des Yogas. Sogar letztlich bei der Jahrhundertfeier von Yogacharya B.K.S. Iyengar, wo mehr als 1200 Yogis aus 53 Ländern über zehn Tage Yogasana und Pranayama praktizierten, unterrichtete sie unermüdlich über jeweils sechs Stunden und hielt die Übenden dazu an, die Intelligenz ihrer Körper aus erster Hand wahrzunehmen und sich nicht von zweitrangigen Erfahrungen abhängig zu machen. Dieses Beharren auf Selbsterfahrung und Selbstbeobachtung in Körper, Geist, Bewusstsein und Atem war ihre definierte Haltung.

Sie verfasste den Klassiker „Yoga für die Frau“, welcher in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Ihr ständiges Forschen resultierte in den Bänden „Yoga in Bewegung, Einführungskurs“ und „Mittelstufenkurs“, die für Anfänger ein Leitfaden für das maßgebliche Buch ihres Vater „Licht auf Yoga“ geworden sind.

Ihr Engagement für Yoga über sechs Jahrzehnte ist etwas, was Generationen von Übenden weiter inspirieren wird.

Ruhe in Frieden, Geetaji.

 

Marina Pagel,

(Mit Dank an Zubin Zarthotimanesh, dem Verfasser einer englischen Version dieses Nachrufs.)